Wer macht was?

BERUFSBEZEICHUNGEN IN DER PSYCHOSOZIALEN BERATUNG

Der Fachverband der Psychologen (BDP) konstatierte in seinem Heft 1/2019:

"Psychologie ist populärer denn  je. Nicht nur die Rezeption psychologischer Erkenntnisse, sondern auch der Wunsch, mit Psychologie Einnahmen zu erzielen. Jedoch sind nicht alle, die psychologisch arbeiten, dafür angemessen qualifiziert, und nicht alles, was Laien mit Psychologie assoziieren, ist wissenschaftlich haltbar..."

Weiter führt der Vorstand aus, daß: "...das psychologische Berufsbild verwässert und die Qualität psychologischer Dienstleistungen durch Scharlatanerie bedroht wird." 


Sie suchen qualifizierten Rat und Unterstützung bei akut schwierigen Themen Ihres Lebens?

Tausende von "Beraterinnen und Beratern" stehen dafür bereit - aber wer ist eigentlich dafür wie ausgebildet?

Und wer hat wohl welche Qualifikation und Kompetenz?

Außenstehenden sind die Unterschiede meist nicht bekannt! 


Auf dieser Seite finden Sie als Einführungsinformation die am Häufigsten in der Beratungsszene agierenden Berufsgruppen

Sie kennen schon die Unterscheidungen?
Dann klicken Sie bitte gleich oben im Menü auf Ihr gewünschtes Thema! 


DER BERATER-DSCHUNGEL

Wie können Sie den Unterschied zwischen Scharlatan und fachlich kompetenter Beratung und damit zielführender Unterstützung erkennen und welche Beratung ist für Sie auch sinnvoll?

PSYCHOLOGISCHE*R BERATER*IN, PAARCOACH, PAARTHERAPEUT*IN, SYSTEMISCHE*R BERATER*IN

sind keine geschützte Berufsbezeichnung.

Psychologischer oder Systemischer Berater, Paartherapeut kann jede*r auf die Visitenkarte schreiben, unabhängig davon, ob überhaupt oder welche Ausbildung und Qualifikation vorliegt.

Selbstberufene Quereinsteiger erwecken damit ohne vertiefte Ausbildung mit einer psychologischen "Berufsangabe" den (irreführenden) Eindruck einer besonderen fachlichen Kompetenz! Man kann aber ein mehrere Jahre dauerndes, intensives Studium nicht mit ein paar Abendkursen abdecken. 

Wenn es so einfach wäre, könnte man sich ja das Psychologie-Studium gleich sparen!

Gesundheitsschädlich physisch wie psychisch ist es, wenn auch noch esoterischer Humbug und Schamanismus-Firlefanz als "heilsam" teuer verkauft werden!
Gefährlich wird das wenn zweifelhafte "Heilmethoden" oder weltanschauliche Inhalte verbreitet werden, von relativ "harmlosen" (spinnerten) Gurus, aber auch zu gefährlichen Methoden oder Sekten bis hin zu scheinbar hilfreicher "klinischer Therapie", die -   falsch angewendet - sehr schlimme Folgen haben kann!
Psychologische Therapien und Behandlungen von Angststörungen, Depressionen und andere psychische Störungen gehören zu fachkompetent (und langjährig!)  ausgebildeten Therapeuten (siehe unten: Psychologischer Psychotherapeut oder Psychiater)  und dürfen (eigentlich) auch nur von diesen durchgeführt werden!  

Aber auch in der "Psychosozialen Beratung", also Eheberatung, Mediation oder Coaching haben selbsternannte Möchtegerns, helfersyndrommotivierte Laien und Halbgebildete nichts zu suchen!

HEILPRAKTIKER*IN FÜR PSYCHOTHERAPIE

Um Heilpraktiker zu werden, braucht man keine (keine!) Voraussetzungen!  

Heilpraktiker kann jeder auch autodidakt oder nach ein paar Abendkursen und einer "Prüfung" beim Gesundheitsamt werden. Es ist keine besondere Qualifikation, nichtmal Abitur, vorausgesetzt! Schon ein Hauptschulabschluss genügt. 

Nicht wenige Heilpraktiker*innen bezeichnen sich dann als "Therapeut*innen" (verboten)  und bieten "Therapie"  (erlaubt.) Dies spielt grenzwertig mit den Begriffen Therapie/Therapeut*in und ist Nichtfachleuten nicht erkennbar. Einige betiteln sich selbst sogar vorsätzlich mit ausdrücklich unzulässigen Berufsbezeichnungen (Psychotherapeut, siehe weiter unten).  

Betont wird auch gerne, man sei "amtlich zugelassen" oder "amtsärztlich geprüft"

Die Zulassung als Heilpraktiker/in wird fast auf allen Websites als "Genehmigung" besonders betont, aber ist lediglich eine formell nötige und nicht weiter überprüfte Erlaubnis zur Ausübung der Heilpraktiker*innentätigkeit weil die simple "Heilpraktiker-Prüfung" bestanden wurde.
Diese "amtliche" Zulassung bzw. Prüfung ist also zwar formal "amtlich". Aber das ist die Anmeldung Ihres Wohnsitzes auch.

Wer einen Führerschein hat, "darf" auch Auto fahren (ist dazu "amtlich zugelassen")  - aber kann der oder die das? Manche lernen es ihr Leben lang nicht...

Wenngleich es durchaus auch verantwortlich und im zugelassenen Rahmen, z.B. mit belegt wirksamen, naturheilkundlichen Behandlungsmethoden arbeitende gute und hilfreich wirkende Heilpraktiker/innen gibt, ist die Diskussion darum, diesen "Berufsstand" zu verbieten, oder die  Qualifikationsnachweispflichten erheblich zu erhöhen,  sicherlich begründet, insbesondere im Bereich der "HP für Psychotherapie", die noch weniger Inhalte und Qualifikationen mitbringen! Gefährlich wird es,  wenn hanebüchene esoterische Inhalte und Astrologie in einen unzulässigen Zusammenhang mit psychologischen Wirksamkeiten gebracht wird! 

Ich halte es für grob fahrlässig, auf so niedrigem Niveau ausgebildete Möchtegern-Psycholog/innen auf womöglich psychisch Schwerkranke loszulassen!
Und diese Gefahr besteht, weil die Praxen kassenfinanzierter Therapeuten völlig überlaufen sind, und Selbstzahler dann meistens nach dem "Preis" auswählen - das ist hochriskant!
Aber auch nichtklinisch induzierte psychosoziale Therapeuten-  oder Beratungstätigkeit sollte sich nicht in Händen minder Qualifizierter befinden!

Absurd wird es, wenn esoterischer Unfug, Sonne, Mond und Sterne oder anderes "Geheimwissen" hinzukommt, auch hier getarnt als "naturkundliche Verfahren" und schon "seit Jahrhunderten"  bekannt, aber von der "bösen Pharmalobby totgeschwiegen" (ich denke auch, daß man die Pharmakonzerne stark kritisieren muß, aber ich setze da eher auf fundierte Wissenschaft, statt auf "kosmische Strahlung".)

Für ein die Seele entlastendes Plauderstündchen mag dies amüsant sein - qualifizierte und zielführende Beratung ist dies aber meistens nicht, kann es gar nicht sein, außer man will sich einfach nur mal ausweinen und danach besser fühlen.  

MEDIATOR*IN
Mediator*innen haben  gem. Mediationsgesetz  mindestens 120 bzw. 200 Stunden Ausbildung absolviert. Mediator*in ist aber dennoch nicht als Berufsbezeichnung geschützt, jeder darf sich so nennen. 
Als Zusatzqualifikation für Psycholog/innen oder Rechtsanwält/innen oder für betriebliche interne Problemlösungen und Konfliktreduktionen, aber auch für Verbesserung der Kommunikation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement,  kann diese "Ausbildung" durchaus sehr hilfreich sein, aber die beliebten Allgemeinplätze in der Mediation kennt mittlerweile auch schon jede/r, und so sollte man die Effektivität einer Mediation nicht überschätzen.  Sie kann helfen, ist aber kein Wunder- oder Allheilmittel! 

Oft wird angenommen,  eine Mediation sei "billiger, als ein Rechtsanwalt".
Eine Mediation ist jedoch inhaltlich und vom Ziel her weit umfassender, als rechtsanwaltliche Beratung. Sie ist also keine "billige Alternative" zu einer (viel teureren) rechtsanwaltlichen Beratung, aber sie kann  eine (dann wirklich kostensparende)  Vorbereitung oder Ergänzung zu unabdinglicher Rechtsberatung, z.B. bei Scheidungsfragen, sein.
Statt wochenlangen und damit sehr teurem Schriftsatz-Ping-Pong setzt man sich zusammen und versucht, unter Vermeidung von Eskalation,  Lösungen zu entwickeln, was erfreulicherweise sehr häufig gelingt, oft auch mit unerwarteten Lösungsansansätzen, oder es wird zumindest der Diskussionsbedarf reduziert und auch damit Rechtsanwaltskosten gespart.
 
Mediation führt also i.d.R. schneller zu gemeinsamen Ergebnissen statt zu eskalieren und ist nachhaltiger und ist somit auch langfristig gesehen kostengünstiger, als eine mit 2 oder mehr sich bekriegenden Anwälten  durchgefochtene gerichtliche Auseinandersetzung, die sich jahrelang hinziehen kann!

Auch bei gleichem Stundenhonorar (wie z.B. ein Rechtsanwalt) ist qualifizierte Mediation i.d.R. kostengünstiger, da weniger Zeit (und Nerven) beansprucht wird! 
Daher lohnt eine Mediation - sofern ein fachliches Fundament vorliegt - sich immer. 


COACH 
Auch der Begriff "Coach" ist nicht geschützt. Coaching sollte man vor dem Hintergrund der bisherigen beruflichen und persönlichen Erfahrung des Coaches und seiner eigenen Ziele sehen, und bewerten, ob und was diese Coachin, dieser Coach mitbringen kann, und was für die persönliche Situation und Zielsetzungen am Ehesten geeignet erscheint. 
Ein Coach liefert reflektierend Ansatzpunkte für eigene oder gemeinsame Veränderungsprozesse. Die Durchführung obliegt aber den Klient/innen.

DIPLOM-PSYCHOLOG*IN/PSYCHOLOG*IN MSC/MASTER
Der Diplom-Psychologe bzw. die Diplom-Psychologin (oder Msc) hat ein mindestens 8-10-semestriges Universitätsstudium mit Praktika und damit ein fundiertes Grundwissen über psychologische Wirkmechanismen. Als Diplom-Psychologe ist man automatisch auch als Heilpraktiker für Psychotherapie zugelassen.

Dabei gibt es unterschiedliche "Denkschulen", die auch unterschiedliche Zielgruppen haben:

Ein Psychoanalytiker und Tiefenpsychologe wird eher in der Vergangenheit nach Ursachen graben. Dabei wird viel "interpretiert" und das macht es schnell beliebig. Vielfach werden daher beide Themenbereiche heute in der Wissenschaft mangels empirischer Verifizierbarkeit und wegen der beliebigen Interpretationsmöglichkeiten nicht mehr ernst genommen und auch als "Glaskugellesen" bezeichnet. Tiefenpsychologie und Psychoanalyse sind aber bei Krankenkassen als erstattungsfähig zugelassen.  

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

KVT, die kognitive Verhaltenstherapie ist ebenfalls von Kassen zugelassen, und mit modernen wissenschaftlichen Vorgehensweisen nachgewiesen die weltweit am Besten empirisch als wirksam belegte psychologische Therapieform. Verhaltenstherapie bzw. Verhaltenstraining bietet aufgrund klarer Zielsetzungen auch konkrete Ergebniserlebnisse und objektiv feststellbare Fortschritte!

Mit verhaltenstherapeutischen Methoden kann man nicht nur akute Probleme lösen, sondern auch perspektivisch sein Leben neu gestalten lernen.
Klienten behalten die Hoheit über ihre Entwicklung und können diese unmittelbar und jederzeit selbst steuern - der Therapeut ist dabei eher im Sinne eines Coaches der Initiator neuer Überlegungen und Verhaltensweisen.
KVT ist also Hilfe zur Selbsthilfe, reduziert das Auftreten auslösender Verhaltensweisen bereits vor einer unaufhaltbaren Eigendynamisierung (z.B. Streitspirale) und bietet die Chance, auch später erneut auftretenden Problemen gezielt selbst zu begegnen und eigene Entwicklungen zu erkennen und zu gestalten!

Statt also in Abhängigkeit von einer "Dauerberatung" zu kommen, können Sie gezielt und sehr schnell lernen, Krisenentwicklungen schon im Entstehen zu erkennen, und ebenfalls, was Sie (beide) daran ändern können, um erneute Krisenexplosionen  zu vermeiden!

PSYCHOLOGISCHE*R PSYCHOTHERAPEUT*IN
Nur Psychologische Psychotherapeut*innen sind kassenzugelassen und dadurch besteht extrem hohe Nachfrage nach klinisch arbeitenden Therapeuten  (weil es dann eben die Krankenkasse zahlt). Daher gibt es dort sehr lange Wartezeiten und es gibt meistens auch lange Pausen zwischen den Sitzungen, was wiederum zu ewig langen Therapiedauern, nicht selten über mehrere Jahre, führt.  Nicht Wenige sind regelrecht von ihrem Therapeuten oder der Therapeutin "abhängig". Aber egal - die Kasse zahlt es ja...*Ironie aus*

Um approbierter Psychologische*r Psychotherapeut*in  werden zu können, was Voraussetzung zur Kassenzulassung ist, muss man nach dem Grundstudium zum Diplom-Psychologen ZUSÄTZLICH  eine mindestens 3-jährige klinische Zusatzausbildung, vergleichbar der eines Facharztes, machen. Zum psychologischen Grundwissen kommen also Vertiefungen und medizinische Kenntnisse hinzu.
Psychologische Psychotherapeuten sind also Psychologen mit medizinischen Kenntnissen, das ist wichtig für die Herangehensweise: ein Psychologischer Psychotherapeut wird mehr auf die Ursachen schauen und zur Herangehensweise tendenziell (hoffentlich) psychologische Therapiemethoden fokussieren, und eher weniger medikamentös arbeiten (schon auch, aber der Ansatz und die Zielsetzung ist ein anderer), während ein Psychiater symptomorientiert eher zur bunten Pille rät.


PSYCHIATER
Ein Psychiater ist ein Arzt, also ein Mediziner, z.B. Neurologe, der zusätzlich  psychologisch wissenschaftlich ausgebildet ist. Psychiater arbeiten medizinisch, haben meist eine Kassenzulassung und fokussieren  auf neurologische und/oder klinische Diagnosen.   

Im Unterschied zu Psychologen ist die "Denkweise" bei Psychiatern eher symptomorientiert. Daher neigen/tendieren diese eher zur pharmakologischen Medikation, während Psychologen ursachenorientiert arbeiten. Es ist ja (leider) halt schneller eine Symptomveränderung bemerkbar, wenn man eine Pille einwirft. Bequemer ist es für alle Beteiligten auch! 

Es ist allerdings längst Stand der Wissenschaft, dass qualifizierte und proaktiv angenommene Psychotherapie  gleichgute oder bessere Langzeitergebnisse bringt, als Medikamente, bei denen die Symptome sofort wieder da sind, wenn man diese absetzt.  Allerdings wirkt aber der Druck  durch die Pharmaindustrie und daher werden - auch wegen des Therapeutenmangels - zu viele psychologisch gut therapierbare Störungen (z.B.  leichte Depressionen z.B. bei Burn Out, "ADHS", gerade bei "störenden" Kindern usw.) viel zu schnell medikamentiert mit nicht selten schlimmen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen bei Patienten.   

Das erscheint  den Beteiligten als die bequemste und scheinbar am schnellsten "wirksame" Therapie, ist aber sehr häufig eine durch Bequemlichkeitsdenken hervorgerufene suboptimale Vorgehensweise.

Ein "zappeliges Kind" wird leider schneller durch Ritalin "handhabbar", als durch (zugegeben unendliche) Geduld, enorme Zuwendung und vernünftige (aber anstrengende!)  Kanalisierung der ganz normalen kindlichen Energie.
Und eine Verstimmung, oft als Depression überinterpretiert, wird durch eine Pille schnell und "einfach" weggezappt.


Wohlgemerkt: eine Major Depression kann eine schwere Erkrankung mit lebensbedrohlichen Folgen sein, das darf man keinesfalls verharmlosen, aber gerade die weiter oben erwähnten weniger qualifizierten "Therapieanbieter" haben eben deswegen in solchen Krankheitsdiagnosen nichts zu suchen und können (und dürften)  den Unterschied zwischen einer depressiven Verstimmung und einer schweren Depression nicht diagnostizieren.


Gehen Sie bitte bei  Vorliegen einer depressiven Situation, aber  auch bei anderen klinischen Störungen unbedingt und auf jeden Fall zu einem qualifizierten Psychologischen Psychotherapeuten oder zu einem Facharzt, oder mindestens (übergangsweise) zu einem akademisch ausgebildeten Diplom-Psychologen und nicht zu einem Hobby-Berater oder Heilpraktike*in ohne qualifzierte Ausbildung!

Lesen Sie dazu dieses sehr interessante Interview mit dem bekannten Psychiater Dr.Dogs in der FAZ:

Rennt nicht gleich zum Therapeuten


Wer darf sich "Psychologe" nennen (und wer nicht!) hier kann man es nachlesen


Prüfen Sie die tatsächliche  fachliche Kompetenz und persönliche Disposition eines  Beraters bzw. der Beraterin und ob diese/r für Sie die richtige und passende Beratungsleistung anbietet!

Denn das teuerste Honorar ist das Vergebliche...  


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